Die Initiation in das Berufsleben von Sabine Gygax ist vielleicht eine Erinnerung: Wie sie und ihre beiden Brüder als Kinder dabei helfen, die Trouvaillen auszupacken, die ihr Vater von seinen Reisen aus Südamerika oder Afghanistan zurückgebracht hat. Zum Vorschein kommen geometrisch gemusterte Aguayos, die traditionellen Textilien und Tragetücher, Decken und Umhänge in lebendigen Farben aus Bolivien, Peru, Ecuador und Chile. Kleider mit Schnitten und Stoffprints, die in Biel der späten 60er Jahre für Aufsehen sorgten. Modische Accessoires, Ledertaschen, Wohntextilien und Keramik aus Vorderasien – und die ersten Blue Jeans! Im Keller ihres Elternhauses fertigen Sabine und ihre Brüder Portemonnaies und Lederetuis an und verzieren Gürtel mit Nieten. So sei sie aufgewachsen. «Mit dem Handel, dem Unternehmertum, mit dem Suchen, Kaufen und Weiterverkaufen von schönen Sachen.» 1968 eröffnete Hans-Ulrich Gygax in Biel einen Laden und nennt ihn Bijou les Boutiques. Er war einer der ersten, der eine Boutique führte. «Er war ein Pionier», sagt Sabine Gygax über ihren Vater. «Es lief wie verrückt. Es gab Zeiten, da hatten wir allein in Biel sechs Boutiquen.» Jede sah anders aus, jede war individuell eingerichtet. Und jede war ein Bijou.
Die Avantgarde des Interior Designs
Sabine Gygax ist 19, als sie nach der Kaufmännischen Lehre und wie zuvor schon ihr acht Jahre älterer Bruder Markus ins Unternehmen einsteigt. Zunächst hatte sie erwogen, Konditorin oder Sportlehrerin zu werden. Doch ihre kreativen wie auch unternehmerischen Interessen streben in eine immer klarere Richtung, werden zu einer konkreten Berufsvorstellung. «Eine geraume Zeit hätte ich wahnsinnig gern Innenarchitektur studiert», erzählt Gygax. «Diese Leidenschaft konnte ich dann beim Mitgestalten der Läden jedoch total ausleben.» Das Familienunternehmen Bijou les Boutiques fungierte als Trendsetter. Ihre Familie sei eine Vorreiterin gewesen, sagt Gygax. «Markus und ich haben Sachen anders gemacht als andere, das fiel und fällt auf. Wir suchen oft alte Materialien und integrieren sie in neuem Kontext in unsere Läden und Schaufenster.» In den Filialen legt sie grössten Wert auf Gestaltung und Detailpflege. Nach wie vor wird jedes Sujet von Hand vom Dekorations- und Handwerksteam gefertigt, jedes Stück ist ein Unikat für die Bijou-Boutiquen. Wie der getrocknete Raps, der bald die Schaufenster der Filialen schmückt, und mit thematischem Dekor den Herbst in die Läden holt. «Das Handcrafting gehört zur DNA unserer Läden.» Mit dieser Hand- und Detailarbeit verleiht das Unternehmen jeder der 17 Bijou les Boutiques-Filialen in der Schweiz die eigene Handschrift.
Das Auge fürs Detail
Sabine Gygax ist eine Macherin – und eine Seherin. Nirgends kann die Ästhetin besser blicken und schauen, sich visuellen Reizen und Stimmungen hingeben, Bilder und Impressionen sammeln als auf Reisen. Die Visualität überträgt sie auf Material- und Farbkombinationen, übersetzt sie in Konzepte aller Art. Ihr Lieblingsort ist Ibiza, wo sie sich vor allem im Herbst oder Frühling gern aufhält. «Ich mag die Schwingung, die man dort spürt.» Auf der Baleareninsel gebe es Orte, wo man manchmal ganz allein sei. Auch in Asien, das sie schon als 20-Jährige intensiv bereiste, hält sie sich immer wieder gerne auf. Es sind die Farben und die exotischen Düfte, die sie dort inspirieren.
Zurück zum Familienunternehmen
Vor rund dreissig Jahren übernahmen die Geschwister Sabine und Markus Gygax die Führung des Handelsunternehmens Bijou les Boutiques. «Die Firma gehört uns beiden. Mein Bruder ist Verwaltungsratspräsident, ich bin CEO.» Nile verkauften die Geschwister im Jahr 2015. Bei der bekannten Schweizer Modemarke, die Markus Gygax 1983 gründete und die zu einem internationalen Fashion Brand geworden ist, war Sabine Gygax als Inhaberin von Nile Retail Schweiz mit dem landesweiten Aufbau des Einzelhandels befasst gewesen. Als Co-Inhaberin des Familienunternehmens Bijou les Boutiques ist Gygax nach der intensiven Zeit bei Nile ganz zu den unternehmerischen Wurzeln zurückgekehrt und führt heute eine Firma mit 170 Mitarbeitenden, davon 95 Prozent Frauen. «Ich bin unglaublich stolz auf alle unsere Teams – unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das grösste Geschenk und der grösste Wert des Unternehmens.» Sabine Gygax und ihr Bruder leiten die Geschicke des unterdessen 57-jährigen Familienbetriebs Seite an Seite. «Wir haben einfach unser Zeug gemacht und hatten unglaublich viel Freude an unserem Weg, und leben das auch authentisch.» Im Wirken der Unternehmerin und dreifachen Mutter kommt das authentische Handeln zum Ausdruck. In der Präsenz der 56-Jährigen in den Filialen, im familiären Umgangston mit den Angestellten, in der freundlichen Ernsthaftigkeit ihres Tuns und im Anspruch, der Kundschaft hohe Servicequalität zu bieten. «Nile ist nach wie vor unser stärkster Brand», betont Gygax. «Bijou les Boutiques führen wir als Multibrand Konzept und runden das Sortiment mit weiteren Labels ab.» Im Warehouse am Firmenhauptsitz in Sutz am Bielersee findet man Mode und Schuhe für Damen und Herren, und «Blue», das Jeanswear-Segment. Dazu Wohnaccessoires, modische Accessoires und Schmuck von Corazón, dem hauseigenen Label, das von Pascale Massarotti, Markus Gygax’ Lebenspartnerin, entworfen wird.
Zeit der Wandlung
Veränderungen durch neue Technologien fordern die Geschäftsfrau heraus. Der berufliche Fokus der letzten zwei Jahre galt der digitalen Transformation: «Das Unternehmen auf online-offline hin zu digitalisieren, es zu zentralisieren, das heisst Logistik, Lager, Webshop und Fotostudio zu verknüpfen, und das Unternehmen zu reorganisieren, um so den heutigen Herausforderungen Stand zu halten» – das sei ihnen geglückt. Sabine Gygax mag den Herbst, die erdigen Düfte dieser Jahreszeit, die in der Luft der ersten kühlen Tage liegen; die Gemütlichkeit daheim mit ihrer Familie, den Morgennebel über dem Bielersee und die Farbenpracht der Natur. Der Herbst ist die Jahreszeit der warmen Nuancen. «Es kommen schöne Farben», verspricht die modebewusste Unternehmerin. «Ich freue mich total.» Die Grundfarbe Schwarz bleibt, sie wird im Herbst mit Schokoladenbraun oder Buttergelb kombiniert. «Dazu starke Akzente in Rot und Orange, auch zartes Blau, und eine Farbe zwischen Crème und Grau: Grège», schwärmt sie. Mix and Match in Garderobe und Wohnräumen, das könne man jetzt im Herbst mit diesen Farbpaletten wunderbar machen. Die Frage des Stils, des individuellen Ausdrucks mit unveränderbarer persönlicher Bedeutung, beantwortet Sabine Gygax ohne Umschweife: «Stil liegt im Detail, im gewissen Etwas. Ich kleide mich intuitiv, oft im Bohemian Style, trage aber auch mal Anzug und Blazer, und sehr gerne Jeans.»
Eigenes Restaurant, eigenes Bier
Vor vier Jahren eröffneten Sabine Gygax und ihr Mann Marcel Dubler das Restaurant Garage Café Bar mit hauseigener Brauerei auf dem Firmengelände in Sutz. Leute aus der ganzen Schweiz kommen ins Seeland, um gemütlich zu brunchen, die selbstgemachten Spezialitäten und das von Marcel Dubler gebraute Bier 2572 zu probieren. Es ist ein kleines Universum für Mode, Design und Genuss, ist die Erweiterung des Schönen, das sie schon als Kind faszinierte. Es sei ihr grosses Glück, von Jugend an Passion, Intuition und ihr Hobby ausleben zu können. «Es fühlte sich nie an wie Arbeit. Meine Interessen wurden zu meinem Beruf. Dafür bin ich sehr dankbar.»
Bericht entnommen aus «Sonderbeilage Herbst BZ Medien» / «Tamedia»
«Es kommen schöne Farben. Dazu starke Akzente in Rot und Orange, auch zartes Blau, und eine Farbe zwischen Crème und Grau: Grège.»
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Bijou les Boutiques - Untere Hauptgasse 12 - 3600 Thun - bijou.ch